Archiv des Autors: KA.GREVE
DIE DRAMATIK DER DINGE | Steckdosen
OFFENBARE OFFENBARUNG
Sommer, Hamburg, Reeperbahn, 18 Uhr: Es ist fast menschenleer, nur der Berufsverkehr quält sich vorbei. Fünf Teenie-Schlampen legen sich am Nachbartisch ab. Ihre Unterhaltung besteht allein aus der Konjugation des Wortes ‚Ficken’: „Ey, Alder, den da hinten will ich ficken.“, „Ob der dich ficken will?“, „Alder, ficken wir den da?“.
Plötzlich unterbricht eines der Mädchen die Grammatikübung: „Ey, neulich kauft meine Mudda ’ne Cola, macht die auf, auf einmal is das Biä!“. Stille folgt, bis die Rudelführerin mit den Worten „Ey, fick dich selba!“ wieder zum Tagesgeschehen übergeht.
Die restliche Unterhaltung geht in der Brandung des Verkehrs unter.
Mal ist es Wasser zu Wein, mal eben Cola zu Bier: Ich versinke in ein stilles Gebet, um Jesus’ Güte zu preisen und seine Zielgruppenorientierung.
Erschienen in Titanic, April 2005
DAUMENKINO

Erschienen in Titanic, März 2005
HeimVORTEIL
Praktische Produkte für ein optimiertes Heim, gemeinsam entwickelt mit Andreas Hansen
Der Alltag hält so manche Tücken bereit, die noch nicht entdeckt wurden – sei es aus Ignoranz oder aus Bequemlichkeit. HeimVORTEIL spürt diese Probleme auf und löst sie, zum Beispiel mit Helios, der Lichtschalterbepuschelung oder Kerberos, dem Bohrlochverschönerer.
(Als vielversprechendes Unternehmen 2004 gestartet, mussten wir 2010 unter dem Druck der Globalisierung die Produktion einstellen. Wir danken allen HeimVORTEIL-Kunden für ihr Vertrauen!)
TORTE ZUM SONNTAG | die CD
Gedanken – gereimt und verdichtet, verlesen und geschichtet – das ist die Torte zum Sonntag. Sie ist der Ausdruck eines Sonntagsgefühls. Die Torte ist sahnig, besinnlich, bizarr und manchmal erschreckend, eben wie ein Sonntag. In 11 Kapiteln beschäftigt sie sich mit lebenswichtigen Dingen wie zum Beispiel Kühlschränken, Zigaretten, Rasenmähern, Blutwurst, Geometrie, Hirschen und Frauenfußball.
Hörbar cremig und ohne Konservierungsstoffe.
Stimmen: Sebastian Erb, Katharina Greve, Eckhart Groh, Holger Lange, Manfred Lehmann, Paul Morf
Musik: Manfred Lehmann
Ton + Produktion: 3-Ton
KREIDEZEIT
Konzept zur kommunikativen Gestaltung des öffentlichen Raums,
gemeinsam entwickelt mit Thomas Egle:
Geneigte Schiefertafeln mit integriertem Kreidespender geben Passanten die Möglichkeit, sich mitzuteilen – und das mit begrenzter Haltbarkeit, denn der nächste Regen schafft Platz für Neues.
Abbildungen © Thomas Egle + Katharina Greve


GENII LOCI – DIE GEISTER DES ORTES
1. Internationales Symposium für bildende temporäre Kunst in Halle (Saale),
Installation im öffentlichen Raum für die Dauerausstellung „tempart“
Die Installation wählt zwei zentrale Kapitel der Architekturgeschichte der Stadt aus und schichtet die grafische Klarheit des Plattenbaus über die ornamentierte Altbaufassade.
Material: Lack auf Hartschaum PVC, Unterkonstruktion Holz
Realisierung 2003, Ausstellungsdauer bis 2008


TORTE ZUM SONNTAG | Hommage an die Geometrie
Drei Hasen
saßen auf dem Rasen,
arrangiert und parallel.
Sie lächelten synchron
und guckten scheel.
In ihrem Lächeln war inkludiert,
dass zu einem unendlichen Punkt
das Nichts implodiert.
FLEISCH 1

© Foto: Andreas Hansen
Objekt
Maße: ca. 95 cm x 130 cm
Material: Stoff, Vlies, Styropor
SHOPPING

© Foto: Andreas Hansen
Göttliche Produkte – nur in ausgewählten Supermärkten!
Objekt
Material: Papier bedruckt auf Glas und Pappe, Einkaufswagen
TORTE ZUM SONNTAG | Rosinenbrot
Rosinenbrot, Rosinenbrot,
die Weintrauben sind alle tot.
Du bist ein schönes Grab für sie,
doch essen werde ich Dich nie!
BRILLE MIT MEERBLICK

Objekt
Material: Brillengestell, Kunststofffolie
TORTE ZUM SONNTAG | Blutwurst
Erfindung der Blutwurst:
Kaum ersonnen – schon geronnen.
Blutwurst in der Tombola:
Kaum geronnen – schon gewonnen.
Verbrennung von Tombola-Blutwurst:
Kaum gewonnen – schon verglommen.
Erinnerung an Blutwurst:
Kaum erglommen – schon verschwommen.
GRÜNSTREIFEN – LESUNGEN IN FREIER WILDBAHN
Dreitägige Performance während der „Temporären Gärten“ in Berlin
Auf Führungen durch das Ausstellungsgebiet in Neukölln werden literarische Gartenbeschreibungen vorgelesen. Die Teilnehmer tragen grüne Brillen, die den alltäglichen Straßenraum verfremden. Vor ihren Augen entstehen, durch Farbe, Worte und Orte stimuliert, virtuelle Gärten.
Realisierung mit 17 großartigen Helfern!
Fotos © Andreas Hansen

Brillenausgabe

Heinrich von Kleist auf der Rathaustreppe

Auf der Karl-Marx-Straße

Rudyard Kipling in der Toreinfahrt









