Archiv der Kategorie: TEXT

URBANE NATURBEOBACHTUNG

Ich bin gerade fertig mit meinen Besorgungen und verlasse den Supermarkt. Direkt an der Türschwelle kommt mir eine fette Spinne entgegen, die zielstrebig in den Laden krabbelt. Ein Großeinkauf sollte es wohl nicht werden: Sie hatte kein Netz dabei.

Erschienen in Titanic Mai 2018 > Titanic

KLEINES ABENTEUER FÜR ZWISCHENDURCH

Wer sein ereignisarmes Durchschnittsleben mal ein wenig aufpeppen möchte, der begebe sich in eine bessere Wohngegend (z.B. Prenzlauer Berg) und schenke einem fremden, ungefähr sechsjährigen Knirps auf der Straße in Anwesenheit seiner Mutter eine Zigarette. Abwechslung garantiert!

Erschienen in Titanic April 2018 > Titanic

REISETIPP

Früher wurde dem Touristen geraten, in schlecht beleumundeten Gegenden – also eigentlich allen Städten und Ländern, in denen man nicht geboren wurde – niemals mit einem Stadtplan in der Hand herumzulaufen. Zu schnell war man als Reisender und damit dankbares Opfer für Taschendiebstähle, Raubüberfälle oder Entführungen zu erkennen. Heute sieht das völlig anders aus: Wer dieser Tage mit einem Stadtplan zum Beispiel durch die düsteren Gassen von Neapel oder die New Yorker Bronx irrt, signalisiert zwar, ein Tourist zu sein – aber ein sehr, sehr armer, der sich kein Smartphone leisten kann. Zu arm für einen Überfall.

Erschienen in Titanic Juli 2017 > Titanic

HUHU, SPRINGSPINNEN!

Für Spinnen recht ungewöhnlich setzt Ihr mit Euren großen schwarzen Knopfaugen voll aufs Kindchenschema, gebt Euch wirklich Mühe, uns mit ihnen zu bezirzen und unsere spinnenfeindlichen Herzen zu erobern. Tja, Springspinnen, eins habt Ihr bei Eurem raffinierten Plan nicht bedacht: Der Niedlichkeitszauber der Knopfaugen ist wirkungslos, sobald mehr als zwei in einem Gesicht glänzen. Darum: einfach mal dauerhaft ein paar Augen zudrücken!

Erschienen in Titanic Januar 2016

FACHWITZ FÜR WEINKENNER

Im Spätverkauf. Eine Kundin stellt einen Rotwein für 3 Euro 30 auf den Tresen: „Ist das ein guter Wein?“ Der Spätverkaufsmann starrt erst die Flasche und dann sie lange an, schließlich löst sich ein zögerndes „Jaaa …“ aus ihm. Die Frau kramt schon im Portemonnaie, da angelt er plötzlich einen Weißwein derselben Preisklasse aus dem Regal: „Aber der ist besser.“ – Ist schon ein guter Geschäftsmann, mein Spätverkaufsmann.

Erschienen in Titanic Dezember 2015 > Titanic

LIFE HACK GRATIS

Wer kennt das nicht: Ob bei Aldi oder Lidl, die Kassiererin ist zu schnell, die Ablage hinter dem Scanner zu klein, man kommt mit dem Einpacken nicht hinterher, die Waren türmen sich zu einem Berg von schwindelerregender Höhe auf, die Kassenschlange hinter einem scharrt ungeduldig mit den Füßen. Streß, Schweiß und Herzinfarkt sind die Folge. Das muß nicht sein! Denn die Grev’sche Warensortierung schafft Abhilfe: Einfach Obst und Gemüse, das abgewogen werden muß, gleichmäßig zwischen den fertig abgepackten Produkten verteilen und damit den Scanner-Schwung der Kassiererin in regelmäßigen Abständen bremsen. Einpackrückstände können während des Wiegens mühelos aufgeholt werden. Der Tod an der Supermarktkasse gehört der Vergangenheit an: Die Grev’sche Warensortierung bringt die Entspannung zurück in den Discounter.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, März 2015 > Titanic

SALUT, BUNDESWEHR!

Zwar ist Deine Ausrüstung Schrott, Deine neuen Rüstungsprojekte kommen nicht aus dem Quark, und die Mitarbeiter in der Beschaffung wie im Auslandseinsatz sind völlig überfordert – aber eines zumindest hat echten Siegerstatus: Dein Magazin Y. Im Sommer mit dem „Best of Corporate Publishing Award“ in Gold in der Kategorie „Mitarbeitermedien Print“ ausgezeichnet, hebt es die Moral der Truppe mit mitreißenden, kraftstrotzenden Titeln wie „Jäger und Gejagter“ (kombiniert mit der Großaufnahme eines Tornado-Piloten vor blauem Himmel), „Lemmy läßt’s krachen“ (im Bild dazu der Motörhead-Sänger, sein Gitarrengurt trägt passend eiserne Kreuze als Deko) oder „Landung in der Kampfzone“ (als Überschrift zu einem Fallschirmjägereinsatz in Südfrankreich – nur eine Übung, sicherlich zu Deinem Bedauern).
Wie wäre es denn jetzt noch, die Erbaulichkeit des Magazins praktisch zu erweitern und ihm – wie seinem kleinen, zivilen Bruder Yps – ein Gimmick beizulegen? Zum Beispiel das ein oder andere Ersatzteil?

Erschienen in Titanic, Briefe an die Leser, November 2014 > Titanic

BERLINER WASSERBETRIEBE!

Ihr tut viel für die Gesundheit Eurer Mitarbeiter, wie die RBB-Abendschau berichtet. Neben der schweren körperlichen Arbeit setze nämlich vor allem der Schichtbetrieb den Angestellten zu: „Schicht allgemein ist immer anstrengend. Ist auch für die Familie belastend“, so ein Mitarbeiter der Leitzentrale. Um diese psychische Belastung zu verringern, gibt es laut Personalmanagerin Kerstin Hamann „ein Programm, wo sich die Beschäftigten über eine Telefonberatung 24 Stunden 7 Tage die Woche beraten lassen können“. Aber was, wenn die Telefonberater mal Probleme mit ihrer Schichtarbeit haben? Rufen die sich dann selbst an? Und stellt dieses Programm damit nicht letztlich den Versuch dar, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben?

Erschienen in Titanic, Briefe an die Leser, Juni 2014 > Titanic