Schlagwort-Archiv: Vom Fachmann für Kenner

LIFE HACK GRATIS

Wer kennt das nicht: Ob bei Aldi oder Lidl, die Kassiererin ist zu schnell, die Ablage hinter dem Scanner zu klein, man kommt mit dem Einpacken nicht hinterher, die Waren türmen sich zu einem Berg von schwindelerregender Höhe auf, die Kassenschlange hinter einem scharrt ungeduldig mit den Füßen. Streß, Schweiß und Herzinfarkt sind die Folge. Das muß nicht sein! Denn die Grev’sche Warensortierung schafft Abhilfe: Einfach Obst und Gemüse, das abgewogen werden muß, gleichmäßig zwischen den fertig abgepackten Produkten verteilen und damit den Scanner-Schwung der Kassiererin in regelmäßigen Abständen bremsen. Einpackrückstände können während des Wiegens mühelos aufgeholt werden. Der Tod an der Supermarktkasse gehört der Vergangenheit an: Die Grev’sche Warensortierung bringt die Entspannung zurück in den Discounter.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, März 2015 > Titanic

DIE PAPST-PROPHEZEIUNG

Alles begann mit einer Lappalie: dem Papst-Rücktritt. Weltweites Interesse weckte diese Angelegenheit erst durch meine exakte Voraussage der Geschehnisse, die ich im „Karicartoon“-Kalender des Jahres 2013 auf dem Blatt für den 10. Februar getroffen hatte.
Papstprophezeiung | Karicartoon-Kalender 2013 | © Katharina GreveMein Cartoon zeigt den Papst mit einem Lotto-Sechser (plus Superzahl) und der Denkblase: „Heiliger Strohsack! Morgen kündige ich!“ Was er dann am nächsten Tag auch tat. Tausendfach getwittert, gepostet und von der Journaille verwurstet, breitete sich die Weissagung über ganz Deutschland aus. Die Geschichte schlich sich auch auf Internetangebote wie „Seniorentreff im Internet“ und „Loop! – Astrologie + Zeitung“. In der hiesigen Presselandschaft ist Die Welt kompakt herauszuheben, die die Zeichnung noch mal schön in Farbe abdrucken wollte. Ein Lümmel der Axel-Springer-Akademie antwortete mir auf meine Frage, ob ich ein Belegexemplar bekommen werde, gönnerhaft: Er könne mir ja 80 Cent für die Ausgabe am Kiosk überweisen. Dann schwappte die Welle über die Grenzen, nach Österreich, nach Ungarn, schließlich bis in die USA. Inzwischen wurde mein englischer Sprachschatz um den Ausruf „Holy straw sack!“ erweitert, Christen bescheinigen mir, ein Werkzeug göttlichen Humors zu sein, und fremde Menschen schicken per Mail Fotos von Gott, auf denen hauptsächlich blauer Himmel zu sehen ist. Die für Journalisten offenbar witzigste Frage ist übrigens, was ich noch alles prophezeien könnte. Alles, Leute, alles! Das ist nur eine Frage des Honorars – und des Belegexemplars.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, März 2013 > Titanic

ÖPNV-KNIGGE

Die U-Bahn hält, ein Haufen Fahrgäste strömt in den Wagon, alle Plätze sind besetzt, einige Passagiere stehen. Nur eine 4er-Sitzgruppe bleibt bis auf einen älteren Herrn leer, der sich nuschelnd mit den Sitzen um sich herum unterhält. Jetzt stellt sich folgende Frage: Halten die anderen Fahrgäste einfach einen natürlichen Sicherheitsabstand zu einem leicht Irren – oder ist es ein Zeichen feinsinniger Höflichkeit, sich nicht auf unsichtbare Freunde zu setzen?

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, Dezember 2009 > Titanic

WAHRHAFT MAGISCH

Habe neulich die TV-Show „The Next Uri Geller“ geguckt. War fasziniert von der Ankündigung, auch bei den Zuschauern zu Hause würden unerklärliche Dinge passieren. Habe daraufhin meine Umgebung genauestens beobachtet. Und siehe da – Uri Geller hatte Recht! Bei mir ist etwas wirklich absolut Unfassbares geschehen: Ich habe „The Next Uri Geller“ geguckt!

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, Februar 2008 > Titanic

GUT VERSICHERT

Neulich rief mich mein Versicherungsvertreter an. Ich solle doch unbedingt eine Überspannungsversicherung abschließen, falls ein Blitz einschlägt, wegen dem Computer und so. Seinem Sohn ist da vor kurzem der ganze Rechner flöten gegangen. Vor zwei Jahren sollte ich unbedingt eine Glasversicherung abschließen. Ein umstürzender Baum hatte die Terrassentüren seiner Nichte zerlegt. Letztes Jahr war es eine Unfallversicherung. Seinem Cousin waren gerade beide Arme abgerissen worden. Mannmannmann, die Verwandten meines Versicherungsvertreters leben wirklich gefährlich. Nur gut, dass sie einen Fachmann in der Familie haben.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, September 2007 > Titanic

EHRLICHE WERBUNG

Beim letzten Wochenend-Flanieren lachte mich aus einem hell erleuchteten Schaufenster eine große Werbetafel an: „Nie mehr zu viel bezahlen“. Dass dies kein leerer Werbespruch, sondern eine seriöse, hundertprozentig genaue Prognose war, wurde mir klar, als ich mir den Laden genauer ansah: Es war ein Bestattungsinstitut.

Erschienen in Titanic, Januar 2007 > Titanic

MEHR LUFT

Neulich in der S-Bahn. Zwei Mädchen – nach einigen Unterhaltungsfetzen unschwer als Studentinnen zu identifizieren – unterhalten sich über das Thema ‚Lustige Produkte zur WM’. Die erste erzählt, daß ein findiger Geschäftsmann Tüten mit Stadionluft verkauft. Das versteht Studentin Nummer zwei nicht: „Wie? Luft in Tüten?“ Darauf die erste Studentin: „Ja, die ist irgendwie vakuumverpackt.“ Hoffentlich studieren sie nur Geisteswissenschaften …

Erschienen in Titanic, August 2006

OFFENBARE OFFENBARUNG

Sommer, Hamburg, Reeperbahn, 18 Uhr: Es ist fast menschenleer, nur der Berufsverkehr quält sich vorbei. Fünf Teenie-Schlampen legen sich am Nachbartisch ab. Ihre Unterhaltung besteht allein aus der Konjugation des Wortes ‚Ficken’: „Ey, Alder, den da hinten will ich ficken.“, „Ob der dich ficken will?“, „Alder, ficken wir den da?“.
Plötzlich unterbricht eines der Mädchen die Grammatikübung: „Ey, neulich kauft meine Mudda ‚ne Cola, macht die auf, auf einmal is das Biä!“. Stille folgt, bis die Rudelführerin mit den Worten „Ey, fick dich selba!“ wieder zum Tagesgeschehen übergeht.
Die restliche Unterhaltung geht in der Brandung des Verkehrs unter.
Mal ist es Wasser zu Wein, mal eben Cola zu Bier: Ich versinke in ein stilles Gebet, um Jesus’ Güte zu preisen und seine Zielgruppenorientierung.

Erschienen in Titanic, April 2005