Kategorie-Archiv: TEXT

HUHU, SPRINGSPINNEN!

Für Spinnen recht ungewöhnlich setzt Ihr mit Euren großen schwarzen Knopfaugen voll aufs Kindchenschema, gebt Euch wirklich Mühe, uns mit ihnen zu bezirzen und unsere spinnenfeindlichen Herzen zu erobern. Tja, Springspinnen, eins habt Ihr bei Eurem raffinierten Plan nicht bedacht: Der Niedlichkeitszauber der Knopfaugen ist wirkungslos, sobald mehr als zwei in einem Gesicht glänzen. Darum: einfach mal dauerhaft ein paar Augen zudrücken!

Erschienen in Titanic Januar 2016

LIFE HACK GRATIS

Wer kennt das nicht: Ob bei Aldi oder Lidl, die Kassiererin ist zu schnell, die Ablage hinter dem Scanner zu klein, man kommt mit dem Einpacken nicht hinterher, die Waren türmen sich zu einem Berg von schwindelerregender Höhe auf, die Kassenschlange hinter einem scharrt ungeduldig mit den Füßen. Streß, Schweiß und Herzinfarkt sind die Folge. Das muß nicht sein! Denn die Grev’sche Warensortierung schafft Abhilfe: Einfach Obst und Gemüse, das abgewogen werden muß, gleichmäßig zwischen den fertig abgepackten Produkten verteilen und damit den Scanner-Schwung der Kassiererin in regelmäßigen Abständen bremsen. Einpackrückstände können während des Wiegens mühelos aufgeholt werden. Der Tod an der Supermarktkasse gehört der Vergangenheit an: Die Grev’sche Warensortierung bringt die Entspannung zurück in den Discounter.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, März 2015 > Titanic

SALUT, BUNDESWEHR!

Zwar ist Deine Ausrüstung Schrott, Deine neuen Rüstungsprojekte kommen nicht aus dem Quark, und die Mitarbeiter in der Beschaffung wie im Auslandseinsatz sind völlig überfordert – aber eines zumindest hat echten Siegerstatus: Dein Magazin Y. Im Sommer mit dem „Best of Corporate Publishing Award“ in Gold in der Kategorie „Mitarbeitermedien Print“ ausgezeichnet, hebt es die Moral der Truppe mit mitreißenden, kraftstrotzenden Titeln wie „Jäger und Gejagter“ (kombiniert mit der Großaufnahme eines Tornado-Piloten vor blauem Himmel), „Lemmy läßt’s krachen“ (im Bild dazu der Motörhead-Sänger, sein Gitarrengurt trägt passend eiserne Kreuze als Deko) oder „Landung in der Kampfzone“ (als Überschrift zu einem Fallschirmjägereinsatz in Südfrankreich – nur eine Übung, sicherlich zu Deinem Bedauern).
Wie wäre es denn jetzt noch, die Erbaulichkeit des Magazins praktisch zu erweitern und ihm – wie seinem kleinen, zivilen Bruder Yps – ein Gimmick beizulegen? Zum Beispiel das ein oder andere Ersatzteil?

Erschienen in Titanic, Briefe an die Leser, November 2014 > Titanic

BERLINER WASSERBETRIEBE!

Ihr tut viel für die Gesundheit Eurer Mitarbeiter, wie die RBB-Abendschau berichtet. Neben der schweren körperlichen Arbeit setze nämlich vor allem der Schichtbetrieb den Angestellten zu: „Schicht allgemein ist immer anstrengend. Ist auch für die Familie belastend“, so ein Mitarbeiter der Leitzentrale. Um diese psychische Belastung zu verringern, gibt es laut Personalmanagerin Kerstin Hamann „ein Programm, wo sich die Beschäftigten über eine Telefonberatung 24 Stunden 7 Tage die Woche beraten lassen können“. Aber was, wenn die Telefonberater mal Probleme mit ihrer Schichtarbeit haben? Rufen die sich dann selbst an? Und stellt dieses Programm damit nicht letztlich den Versuch dar, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben?

Erschienen in Titanic, Briefe an die Leser, Juni 2014 > Titanic

WURST-STARS

DIE SONJA-FOOD-BEAUTY-TRENDS DER SAISON

Wurst-Stars | Wurst pur | © Katharina GreveSie essen nur, was ein Gesicht hat? Aber diese schwammige, einfältige Fratze auf Ihrem Brot ödet Sie einfach an? Sogar Ihr Nachwuchs schiebt das Pausenbrot lieber ins Matheheft des Sitznachbarn als in den eigenen Mund?
Das muss nicht sein!

SONJA Food & Beauty präsentiert Ihnen an dieser Stelle ein paar einfache Tipps und Tricks, mit denen Sie im Brotumdrehen dem billigsten Fleischabfall einen glamourösen Diven-Look geben können. Was Sie dazu brauchen? Nur Ihren Beauty-Case! Und der Win-Win-Effekt: Sie lernen auch noch etwas, um Ihr eigenes Wurstgesicht ein wenig aufzumöbeln!

Wurst-Stars | Marilyn Monroe | © Katharina GreveMarilyn Monroe
Nicht nur fürs Pausenbrot der Kennedys: Kräftige Farben, geschwungener Lidstrich und ein süßer Schönheitsfleck lenken vom teigigen Teint ab. Rouge gibt dem unförmigen Gesicht mehr Kontur.
Erotik pur!

 

 


Wurst-Stars | Lady Gaga | © Katharina GreveLady Gaga
Auch wenn das Haltbarkeitsdatum schon Historie ist: Mit dem megaschrägen, topaktuellen Gaga-Look sieht die Wurst aus wie frisch gekauft. Raffinierter Trick: Schimmelflecken werden einfach überschminkt und in den extrem schrillen Style integriert.
Zu gut für die Tonne!

 

 

Wurst-Stars | Hildegard Knef | © Katharina GreveHildegard Knef
Das Geheimnis der unvergesslichen Knef? – Smokey Eyes! Durch reichlich schwarzen Eyeshadow bekommt der Brotbelag einen intensiven Blick. Passendes Rouge kaschiert die groben Poren. Blutwurstrote Lippen runden den Drama-Look ab.
Zum Anbeißen!

 

 

Wurst-Stars | Amy Winehouse | © Katharina GreveAmy Winehouse
Gerade tot und schon aufm Brot: Der extreme Lidstrich gibt der Wurst Heart and Soul. Rosa Lippenstift lässt den Teint jugendlich zart strahlen – auch nach einer langen Nacht mit Bierschinken-Exzessen.
Back to Black!

 

 


Wurst-Stars | Harald Glööckler | © Katharina GreveHarald Glööckler
Das lässt die Wurst von innen strahlen: Der sinnlich geheimnisvolle Glööckler-Look bringt Glamour aufs Brot. Die fein ziselierten Bartlinien schmiegen sich wie ein kunstvolles Ornament um den Fleischmatschkreis. Diese Wurst macht jede Stullenbesitzerin zur Prinzessin.
Pompöös!

 

 

Wurst-Stars | Cindy aus Marzahn | © Katharina GreveCindy aus Marzahn
Die außerirdischen Proportionen von Barbie haben bei Ihrer Tochter zu Essstörungen geführt – wetten, dass damit jetzt Schluss ist? Der Brotbelag im Cindy-Style muss einfach gegessen werden. Schon allein, um ihn nicht mehr sehen zu müssen. Aber auch in der Kloschüssel zeigt sich Cindy von ihrer besten Seite.
Pretty in Pink!

 

Erschienen in SONJA – DAS FRAUENMAGAZIN FÜR WITZE, Ausgabe 2 > SONJA

DIE PAPST-PROPHEZEIUNG

Alles begann mit einer Lappalie: dem Papst-Rücktritt. Weltweites Interesse weckte diese Angelegenheit erst durch meine exakte Voraussage der Geschehnisse, die ich im „Karicartoon“-Kalender des Jahres 2013 auf dem Blatt für den 10. Februar getroffen hatte.
Papstprophezeiung | Karicartoon-Kalender 2013 | © Katharina GreveMein Cartoon zeigt den Papst mit einem Lotto-Sechser (plus Superzahl) und der Denkblase: „Heiliger Strohsack! Morgen kündige ich!“ Was er dann am nächsten Tag auch tat. Tausendfach getwittert, gepostet und von der Journaille verwurstet, breitete sich die Weissagung über ganz Deutschland aus. Die Geschichte schlich sich auch auf Internetangebote wie „Seniorentreff im Internet“ und „Loop! – Astrologie + Zeitung“. In der hiesigen Presselandschaft ist Die Welt kompakt herauszuheben, die die Zeichnung noch mal schön in Farbe abdrucken wollte. Ein Lümmel der Axel-Springer-Akademie antwortete mir auf meine Frage, ob ich ein Belegexemplar bekommen werde, gönnerhaft: Er könne mir ja 80 Cent für die Ausgabe am Kiosk überweisen. Dann schwappte die Welle über die Grenzen, nach Österreich, nach Ungarn, schließlich bis in die USA. Inzwischen wurde mein englischer Sprachschatz um den Ausruf „Holy straw sack!“ erweitert, Christen bescheinigen mir, ein Werkzeug göttlichen Humors zu sein, und fremde Menschen schicken per Mail Fotos von Gott, auf denen hauptsächlich blauer Himmel zu sehen ist. Die für Journalisten offenbar witzigste Frage ist übrigens, was ich noch alles prophezeien könnte. Alles, Leute, alles! Das ist nur eine Frage des Honorars – und des Belegexemplars.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, März 2013 > Titanic

ÖPNV-KNIGGE

Die U-Bahn hält, ein Haufen Fahrgäste strömt in den Wagon, alle Plätze sind besetzt, einige Passagiere stehen. Nur eine 4er-Sitzgruppe bleibt bis auf einen älteren Herrn leer, der sich nuschelnd mit den Sitzen um sich herum unterhält. Jetzt stellt sich folgende Frage: Halten die anderen Fahrgäste einfach einen natürlichen Sicherheitsabstand zu einem leicht Irren – oder ist es ein Zeichen feinsinniger Höflichkeit, sich nicht auf unsichtbare Freunde zu setzen?

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, Dezember 2009 > Titanic

WAHRHAFT MAGISCH

Habe neulich die TV-Show „The Next Uri Geller“ geguckt. War fasziniert von der Ankündigung, auch bei den Zuschauern zu Hause würden unerklärliche Dinge passieren. Habe daraufhin meine Umgebung genauestens beobachtet. Und siehe da – Uri Geller hatte Recht! Bei mir ist etwas wirklich absolut Unfassbares geschehen: Ich habe „The Next Uri Geller“ geguckt!

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, Februar 2008 > Titanic

GUT VERSICHERT

Neulich rief mich mein Versicherungsvertreter an. Ich solle doch unbedingt eine Überspannungsversicherung abschließen, falls ein Blitz einschlägt, wegen dem Computer und so. Seinem Sohn ist da vor kurzem der ganze Rechner flöten gegangen. Vor zwei Jahren sollte ich unbedingt eine Glasversicherung abschließen. Ein umstürzender Baum hatte die Terrassentüren seiner Nichte zerlegt. Letztes Jahr war es eine Unfallversicherung. Seinem Cousin waren gerade beide Arme abgerissen worden. Mannmannmann, die Verwandten meines Versicherungsvertreters leben wirklich gefährlich. Nur gut, dass sie einen Fachmann in der Familie haben.

Erschienen in Titanic, Vom Fachmann für Kenner, September 2007 > Titanic

EHRLICHE WERBUNG

Beim letzten Wochenend-Flanieren lachte mich aus einem hell erleuchteten Schaufenster eine große Werbetafel an: „Nie mehr zu viel bezahlen“. Dass dies kein leerer Werbespruch, sondern eine seriöse, hundertprozentig genaue Prognose war, wurde mir klar, als ich mir den Laden genauer ansah: Es war ein Bestattungsinstitut.

Erschienen in Titanic, Januar 2007 > Titanic

MEHR LUFT

Neulich in der S-Bahn. Zwei Mädchen – nach einigen Unterhaltungsfetzen unschwer als Studentinnen zu identifizieren – unterhalten sich über das Thema ‚Lustige Produkte zur WM’. Die erste erzählt, daß ein findiger Geschäftsmann Tüten mit Stadionluft verkauft. Das versteht Studentin Nummer zwei nicht: „Wie? Luft in Tüten?“ Darauf die erste Studentin: „Ja, die ist irgendwie vakuumverpackt.“ Hoffentlich studieren sie nur Geisteswissenschaften …

Erschienen in Titanic, August 2006

OFFENBARE OFFENBARUNG

Sommer, Hamburg, Reeperbahn, 18 Uhr: Es ist fast menschenleer, nur der Berufsverkehr quält sich vorbei. Fünf Teenie-Schlampen legen sich am Nachbartisch ab. Ihre Unterhaltung besteht allein aus der Konjugation des Wortes ‚Ficken’: „Ey, Alder, den da hinten will ich ficken.“, „Ob der dich ficken will?“, „Alder, ficken wir den da?“.
Plötzlich unterbricht eines der Mädchen die Grammatikübung: „Ey, neulich kauft meine Mudda ‚ne Cola, macht die auf, auf einmal is das Biä!“. Stille folgt, bis die Rudelführerin mit den Worten „Ey, fick dich selba!“ wieder zum Tagesgeschehen übergeht.
Die restliche Unterhaltung geht in der Brandung des Verkehrs unter.
Mal ist es Wasser zu Wein, mal eben Cola zu Bier: Ich versinke in ein stilles Gebet, um Jesus’ Güte zu preisen und seine Zielgruppenorientierung.

Erschienen in Titanic, April 2005

TORTE ZUM SONNTAG | die CD

Torte zum Sonntag | CD | © Katharina GreveGedanken – gereimt und verdichtet, verlesen und geschichtet – das ist die Torte zum Sonntag. Sie ist der Ausdruck eines Sonntagsgefühls. Die Torte ist sahnig, besinnlich, bizarr und manchmal erschreckend, eben wie ein Sonntag. In 11 Kapiteln beschäftigt sie sich mit lebenswichtigen Dingen wie zum Beispiel Kühlschränken, Zigaretten, Rasenmähern, Blutwurst, Geometrie, Hirschen und Frauenfußball.
Hörbar cremig und ohne Konservierungsstoffe.

Stimmen: Sebastian Erb, Katharina Greve, Eckhart Groh, Holger Lange, Manfred Lehmann, Paul Morf
Musik: Manfred Lehmann
Ton + Produktion: 3-Ton